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MITGESTALTET · Kapitel 01

Wenn eine Maschine am Bild beteiligt ist

Über der sitzenden Figur fächern sich breite Bänder auf. Violette, fast schwarze und papierhelle Bahnen ziehen von rechts unten in den oberen Bildraum. Zwischen ihnen hängen Kreise an feinen Linien. Unter dieser verzweigten Ordnung steht ein schmaler Tisch mit einem aufgeklappten Laptop. Die Person hat eine Hand ans Gesicht geführt. Ihr Blick scheint nach links zu gehen, dorthin, wo sich die Landschaft öffnet. Wasser, niedrige Hügel und eine orangefarbene Sonne liegen jenseits des Arbeitsplatzes. Die Illustration „Mensch & Maschine“ setzt technische Arbeit nicht in einen Serverraum. Sie stellt sie an den Rand einer weiten, stillen Landschaft.

Schon diese Beschreibung enthält eine Unsicherheit. Die farbigen Bahnen sehen aus wie eine Verbindung zwischen Figur und System. Doch sie sind keine ablesbare Zeichnung eines tatsächlichen Informationsflusses. Das Bild verrät nicht, welche Daten verarbeitet werden oder welche Entscheidung ansteht. Die Hand am Gesicht kann Nachdenken bedeuten, ebenso Müdigkeit oder bloß eine Ruhehaltung. Was uns als selbstverständlich lesbarer Vorgang erscheint, entsteht erst im Zusammenspiel von sichtbarer Form und vertrauten Deutungsmustern. Die Figur tut im Bild weniger, als wir ihr beim Betrachten zuschreiben.

Diese Differenz ist ein guter Anfang für die Frage nach künstlicher Intelligenz und Kunst. Denn auch der Herstellungsprozess wird leicht mit einer Geschichte gefüllt, die überzeugender klingt, als sie belegt ist. Wer das Bild als KI-gestützt bezeichnet, hat damit noch nicht erklärt, wer die Anordnung konzipiert, welche Möglichkeiten verworfen oder welche Einzelheiten nachträglich bearbeitet hat. Ebenso wenig lässt sich aus seiner ruhigen Wirkung auf eine ruhige Arbeitssituation schließen. Die vorliegenden Materialien dokumentieren eine digitale, KI-gestützte Konzeptstudie. Sie dokumentieren weder ein bestimmtes Modell noch eine vollständige Folge menschlicher und maschineller Arbeitsschritte.

Eine solche Begrenzung nimmt dem Bild nichts weg. Sie macht die Untersuchung genauer. Wir können fragen, wie es seine Beziehungen organisiert, ohne Patrick Haas eine nicht dokumentierte Werkstatterinnerung in den Mund zu legen. Wir können seine Bedeutungsmöglichkeiten erörtern, ohne der Maschine eine Absicht zuzuschreiben. Und wir können seine Produktionsbedingungen kritisieren, ohne vorher so tun zu müssen, als sei jede sichtbare Entscheidung entweder vollständig menschlich oder vollständig maschinell.